Meine Tante

Meine Tante, oder irgendwie Schwester. Sie war die Schwester meines Vaters. Als seine Mutter starb, nahm er klarerweise seine Schwester zu uns in die Familie. In den 60er Jahren scheinbar nicht so ein einfaches Verfahren. Zumindest war es oft ein Thema.

Sie war um 7 Jahre älter als ich und zu dem Zeitpunkt damals so etwas wie eine Rebellin in der Zeit. Spielte laut, Beatle-Musik. Pink Floyd und Rolling Stones. Träumte von Wood-stock und davon anders zu sein. Sie machte die Handelsschule und bekam danach durch Beziehungen meines Vaters einen Job in der Bank. Lernte dann jedoch ihren späteren Mann kennen. Einen jungen 1.90 großen Mann.

Verwegen plante dieser sich nicht dem geplanten Leben hinzugeben. Seine Eltern waren gut bürgerliche Beamte. Beamte der zweiten oder dritten Hierarchieebene. Er aber schlief in seinem mit einer riesigen Sonne bemalten VW-Bus. Den Bus startete er mit einem Bajonett. Nebenher hatte er jede Menge antikes Zeug in seinem VW-Bus, womit der die verschiedensten Flohmärkte besuchte. Ja verwegen war dieser Typ.

Ich bewunderte ihn immer. Ich liebte es, wenn er zu uns kam. Erzählte was er gekauft und verkauft hatte.

Martha, meine Tante hat dann unter schwersten Podest meines Vaters die Bank verlassen und folgte ihrem Freund,- Peter – in die Hauptstadt. Dort eröffnete er später ein Altwarengeschäft. Hatte viele Beziehungen und Freunde in den unglaublichsten Ecken der Welt. Ja ihn bewunderte ich immer.

Die andere Schwester meines Vaters heiratete einen angehenden Doktor. Der war schon als Student mega fett. Ja und trug einen Vollbart. Meine Tante, Erika, war meine Taufpatin. Wovon ich eigentlich niemals wirklich etwas hatte. Ich hatte sogar eine Taufpatin, zu der ich kein Zugehörigkeitsgefühl entwickelte oder entwickelt wurde.

Sie waren in seiner Studentenzeit sehr sehr oft am Wochenende bei uns, ums sich die Bäuche vollzuschlagen wie meine Mutter und mein Vater öfter mal bemerkt hatten. Doch als es ihnen finanziell mal besser ging, viel besser als uns der zurückgelassenen Familie, ließen sie sich kaum noch sehen.

Wenn doch, dann eher nur um meinen Vater auszurichten, das ÖBB-Beamtentum nichts besonderes sei. Er solle doch seinen erlernten Beruf nachgehen. Tischler, damit wäre in den 70 er Jahren viel Geld zu machen. Mein Vater stand jedoch immer auf den Standpunkt, nein ein sicher Job,

Bei der Bahn zählt mehr als viel Geld. Kopfschütteln meiner sich mehr und mehr zur Besseren verwandelten Tante Erika. Dann gab es da noch die älteste Schwester meines Vaters. Edith. Sie hatte ins niederösterreichische geheiratet. Einen Mann der mehr brutal mit ihr und ihren Kindern um ging als erlaubt war, damals in die 60 er und Anfang 70 er Jahren.

Auch bei den Besuchen bekamen wir die Brutalität des Herrschers oft mit. Der Sohn war in den Augen von Karl, dem Mann von Edith sowieso ein Idiot. Die Tochter musste lachen, auch wenn sie sich eben verletzt hatte, zwang er sie dazu mit den Worten – Lach oder – dabei hob er seine linke Hand um eine Ohrfeige anzudeuten. Es tat mir oft bis ins Herz weh wie brutal die Kinder und Edith behandelt wurden.

Die Aufenthalte bezogen sich meist auch nur auf die Feiertage rund um Allerseelen. Schade nur das ich gerade zu diesen Tagen auf die Welt gekommen bin. Somit war rund um meinen Geburtstag, Tod, Gewalt, Herablassung, die zentralen Punkte.

Das schönste waren die Momente, wenn meine Mutter mich dann öfter mal hoch nahm, als Kind mit 5 oder 6 Jahren und mir zuflüsterte. Ich hab dich lieb mein Engel. Das gab es aber nur als Geburtstagsgeschenke.

Dazu dann ein nasses Küsschen auf die Wange. Auch zu diesen Teilen der Familie wollte ich bestimmt niemals gehören. Bewusst schon nicht. Da war ich froh, wenn ich dann öfter mal mit meinen Freunden drüben vom Arbeiterhaus, flüchten konnte, wenn das Haus meiner Eltern voll Besuch war.

Von Menschen die es ja ach so gut alle hatten. Familienfeste nicht um sonst der Grauen der Nacht. Habe mir damals auch öfter mal überlegt wie wohl die Rote, ihr Weihnachtsfest feiert. Ihr Weihnachtsbaum leuchtete ja durch das Zimmerfenster nach draußen.

Ich habe es dennoch nie erfahren. Eigentlich haben wir so und so nur ganz wenig von der Roten erfahren. Rote ja auch deshalb weil sie lange rote Haare hatte. Wir wussten ja am Ende nicht mal ihren echten Namen. Nicht weil wir nicht lesen konnten. Er stand ja bestimmt auf der Eingangstür.

Nein da war ja dieser riesige schwarze Schäferhund. Der schon losging, wenn der Postler sich näherte. Dann erst bei uns. Nein danke. Darauf hatten wir keine Lust. So blieb die Rote immer das unerreichbare mystische Wesen in unserem Leben. Heiß-begehrt in den Träumen, doch genau so weit entfernt in der Welt des Alltags.

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