Hedi – seine Frau!

Drehte mich auf die Seite und sah an der Wand eine Karte. Es war eine Karte von der weiteren Umgebung Engelharts. Darauf abgebildet ein Truck.

Daneben sein Fahrer und darunter der Spruch: „What does it mean to be a Canadian Truck Driver“. Dann waren alle Strecken rund um Engelhart rot eingezeichnet. Daneben auf dem Schreibtisch an der Wand lagen einige Bücher. Das Fenster war Richtung Straße. Ich stand auf und sah raus. In die Mittagszeit von Kanada. Dem weiten Land. Ich sah unten vor dem Motel einige Wagen noch stehen. Gegenüber eine Tankstelle und weit dahinter ein Fabrikgelände.

Aus meinem Koffer holte ich mir frische Bekleidung. Mein Hemd und meine Jean, Turnschuhe. Dann verließ ich das Zimmer und ging die Treppe runter in das große Wohnzimmer der Familie. Ich hörte von der Küche die gleich hinten am Wohnzimmer Richtung Ausgang lag jemand mit Töpfen hantieren. Musik kam aus einem Radio. Ich ging langsam hin zur Küche. Dann stand sie vor mir. Tante Hedi. Sie lachte mich an. Schon wach? Fragte sie mich. Ja, ich bin noch immer müde. Gab ich zurück. Das kann ich mir gut vorstellen. War ja eine lange Reise. Lächelte sie mich verständnisvoll an. Der Otto ist schon weg, der ist rauf nach Kirkland Lake in sein Bastelgeschäft. Das zeigt er dir bestimmt morgen wenn du Lust hast. Wie steht’s mit Essen, hast Hunger? Fragte mich Tante Hedi. Ich war noch ganz vertieft in ihren Anblick. Sie war echt echt eine schöne Frau. Knapp 1.70 groß. Dunkle Haare mit einigen grauen Strähnen. Ein Gesicht vollkommen glatt, keine einzige Falte. Ihre Hände wirkten weich und zärtlich. Dann ihre Augen. Sie hatte umwerfend schöne grüne, tief grüne Augen. Niemals in meinem Leben habe ich solch tief grüne Augen gesehen.

Tante Hedi – einfach nur Klasse!

Sie lächelte mich an. Zufrieden? Fragte sie ohne Umschweife. Sie hatte wohl gut mitbekommen wie ich sie angestarrt habe. Der 1.80 große 16 Jahr alte Junge aus der Heimat der da stand und seine Tante fasziniert anstarrte.

Was? Wie? Stotterte ich rum.

Und wie. Wäre eine gute Antwort und im Notfall könntest ja sagen ich meinte das Essen. Lachte sie los. Scheinbar war sie wie mein Onkel ein freundlicher lustiger herzlicher Mensch. Oder vielleicht wegen meines Onkels war sie so. Ja genau und wie. Folgte ich dem Vorschlag meiner hübschen Tante. Wie alt sie wohl sein mochte.

Was gibt es denn? Fragte ich um meine Gedanken mal wieder in Ordnung zu bringen. Das mich schöne Frauen immer so durcheinander bringen sollte ich auch mal in den Griff bekommen. Es gibt Eier mit Speck. Dazu ein Glas Milch. Brot und Tomaten aus dem Garten. Klingt lecker. Antwortete ich jetzt schon wieder näher an der sogenannten Realität. Träumer du bist ein Träumer, hörte ich da meine Schwester in meinem Kopf über mich lachen. Ja ich bin ein Träumer. Gut so. Dann komm und setzt dich an den Tisch. Dieser stand gleich neben der Durchreiche. Diese bestand aus weißen Marmor. Der Tisch an dem ich Platz nahm war ein großer schwarzer Eichentisch, die Sessel mit einer gebogenen Holz Rückenlehne auch in schwarz. Auf der Sitzfläche aus Holz lag ein dünner Polster. Gemütlich war die Essecke eingerichtet. In Griffweite ein Highboard auf dem jede Menge kleine Figuren standen.

Sammelst du Zauber Figuren? Fragte ich meine Tante. Sie brachte mir das Teller mit dem Essen und setzte sich gegenüber von mir an den Tisch nach dem sie sich eine Tasse mit dampfenden Kaffee holte. Los lass es dir schmecken, Roland. Danke Tante Hedi, das sieht echt lecker aus. Ja das sind meine Zauber Figuren. Pferde, Echsen, Eulen, kleine Ritter, Raben und dann gibt es noch jede Menge von den verschiedensten Flüssen der Welt zu geschliffene Steine. Sie stand auf ging zu den Miniaturen. Nahm einen rötlichen Stein, in der Größe eines Spielwürfel. Drehte diesen in der Hand. Dann legte sie diesen vor mir auf den Tisch und setzte sich wieder.

Das ist ein Karneol, ein Scheibenstein. Der ist echt so flach. Genau so findest du diesen an verschieden Orten der Welt. Dieser kommt aus der Ukraine. Gefunden vor vielen vielen Jahren von deinem Onkel auf seinem Weg nach Moskau. Karneole sollen gegen vielerlei Krankheiten wirken. Doch meine Meinung ist, Krankheiten wirken in sich selbst die brauchen keine Steine um sich abzugrenzen. Steine sind in dieser Welt um das Leben bewusst zu machen. Wenn du einen Stein berührst ist das als ob du dich selbst berühren würdest. Versuch es doch mal. Dabei zeigte meine Tante auf den Stein vor mir.

Er war wirklich glatt, fühlte sich warm an. Ich hielt ihn jetzt in meiner Hand machte eine Faust und spürte den Stein auf mir. Doch es spürte sich fast so an als würde ich meine Schulter damit berühren. Ich sah meine Tante an. Es fühlt sich so an als würde ich nicht den Stein sondern meine Schultern damit berühren. Der Stein fühlt sich wie meine Schulter an. Wiederholte ich erstaunt. Siehst du. Das meinte ich vorhin als ich sagte wir berühren uns über die Steine selbst. Wieder lächelte sie. Damals als dein Onkel den Stein gefunden hat, da an dem Fluss in der Ukraine, der Fluss Dnjepr, hatte er wahnsinnige Schmerzen in der Schulter. Bestimmt von seinem Rucksack. Hat er dir erzählt von seinem Marsch nach Moskau?Nein noch nicht, aber Mutter hat mir schon mal davon erzählt. Als er sich an den Fluss legte um zu schlafen, hörte er Frösche ihre Abendkonzerte geben. Am Himmel sah er die Sterne, dann eine Sternschnuppe. Als er am Morgen aufstand zum Fluss ging um sich zu waschen, lag da im sandigen Flussbett dieser Stein. Klar das dein Onkel mir dann als er mir den Stein gab immer erzählte gerade in dieser Nacht mein Gesicht gesehen zu haben im Traum und meine Stimme hörte – Otto du fehlst mir. Dabei verdrehte sie lächelnd die Augen. Dein Onkel weiß welche romantischen Geschichten Frauen hören wollen.

Ich lachte, ja das glaub ich gerne. Doch mehr glaube ich das er genau weiß welche romantischen Geschichten du gerne hörst, Tante Hedi. Und wie. War jetzt ihre Antwort. Wir lachten beide laut auf. Gestern auf der Fahrt hier her hat mir Otto erzählt wie ihr euch kennengelernt habt. Das ist ja eine irre Geschichte. Der Wahnsinn. Der Wahnsinn, das beschreibt es ganz gut. Dabei trank meine Tante aus ihrer Tasse Kaffee und sah mich lange an. Ich genoss ihr Essen, Eier, Speck und eine geschnittene Tomate. Dazu das Brot. Das Glas Milch leerte ich in einem Zug.

So aber jetzt zeige ich dir das Motel wenn du magst. Ja gerne gab ich freudig zurück. Räumte das leere Teller und das Glas in die Küche. Dort nahm es mir meine Tante ab, stellte beides in die Geschirrspülmaschine. Ich hatte zu vor nie eine gesehen. Meine Mutter bestand ja darauf das Geschirr per Hand zu waschen, da hatte sie dann immer genügend Zeit um über alles mögliche nach zu denken.

Danach folgte ich meiner Tante runter aus dem Haupthaus raus auf den Parkplatz und rüber ins Front Office des Motels. Ich sah 35 Zimmer Kästchen an der Wand in den meisten hingen die Schlüssel der Zimmer. 5 Kästchen waren leer. Meine Tante trat hinter das Pult, blätterte rasch das Zimmer Buch durch. Sah hoch. Alle bis auf die Dauermieter sind ausgeflogen wie wir so schon sagen. 5 Dauermieter haben wir im Moment. 2 Davon suchen Oben seit 5 Jahren nach Gold. Dabei zeigte meine Tante in den Norden. Wo auch immer dieses Oben war, es hörte sich spannend an. Die 3 anderen sind drüben in der Fabrik Vorarbeiter. Dabei zeigte sie in die mir schon bekannte Richtung. Welche Fabrik ist das den, was wird da erzeugt? Pappe, Papier Verpackungen mal ganz einfach ausgedrückt. Antwortete meine Tante.

Das Front-Office war in einem Stile eingerichtet wie ich es schon öfter in Filmen über die USA gesehen habe. Einfach mit grünem Filz an den Wänden. Am Boden Fliesen, weiß und schwarz. Das Pult war dunkel gebeiztes Holz. Ja es war schön hier, fast heimelig dachte ich. Dann sah ich auch hier an vielen Stellen diese kleinen Zauber Figuren und die Steine. Bestimmt gab es die auch in den Zimmern. Hast du in allen Zimmern auch Zauber Figuren und Steine? Fragte ich meine Tante. Klar, sehr viele insgesamt. Wir waren früher viel mehr auf Reisen. Früher bevor dein Onkel den Infarkt hatte. Dabei zitterte die Oberlippe meiner Tante etwas. Das war bestimmt schlimm für dich.

Ja das war es . Sehr schlimm. Daran mag ich gar nicht mehr denken. Ist zwar schon 4 Jahre her aber sowas vergisst du niemals wenn da der Mensch der über alles geleibt wird plötzlich umfällt wie ein Baum und weit und breit nichts ist als Busch.

Ich drückte meine Ellenbogen hart auf das Empfangs Pult, ich wollte mehr wissen doch ich merkte auch wie nahe es meiner Tante ging. Ich konnte nicht anders. Ich ging zu ihr hinter das Pult und nahm sie in den Arm. Genau wie ich meine Mutter öfter mal in den Arm genommen habe wenn sie nahe den Tränen war. Meine Tante sah mich an, mit ihren Augen, diesen Augen die wie grüne Smaragde leuchteten. Danke. Brachte sie hervor. Ganz ganz nahe den Tränen. Dabei spürte ich wie sie ein wenig zitterte. Die Angst. Die Wut. Bestimmt blitzen in diesem Moment tausende Gefühle in ihrem Herzen auf. Langsam drehte sie sich um hin in Richtung des Bords mit den Steinen. Sie nahm sich einen grünen Stein. Etwas größer wie meine Daumenkuppe. Drehte diesen in den Fingern und steckte ihn dann in ihre Linke Manteltasche.

Tante? Sah ich sie fragend an.

Glückssteine.

War ihre Antwort. Immer wenn ich einen schönen Moment, eine tolle Geste oder ein Kompliment wahrnehme dann stecke ich mir in die linke Manteltasche einen Stein aus meiner Sammlung einen Glücksstein, Abends dann erinnere ich mich beim rausnehmen nochmal an diese Momente und freue mich. So speichere ich meine Glücksmomente viele viel besser.

Das ist eine tolle Idee, darf ich mir dann auch immer einen Glücksstein einstecken? Dafür genau dafür sind all die Steine hier. Lächelte mich meine Tante an. Ihr grünen Augen, glitzerten dabei wie Smaragde im Sonnenlicht. 

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