Forellenfarm

Sagte mein Onkel und lachte laut auf. Verlegen sah ich erst zu meiner Tante, die ihre linke Augenbraue fragend hoch zog und dann zu meinem Onkel. Wollte gerade aufstehen, da lächelte er. Nein Junge nein nein, bleib ruhig sitzen, ich weiß um Hedis Magie. Es ist schön zu wissen, das du sie annimmst. Magie trifft es ganz gut. Entgegnete ich ihm. Wir hatten einen echt tollen Nachmittag. Ich habe Roland unsere Steinsammlung gezeigt und auch unsere Zauber Figuren. Neugierig wie er ist wollte er selbstverständlich alles darüber wissen. Mein Onkel hantierte  in der Küche und kam mit drei Tassen Kaffee zurück. Setzte sich uns gegenüber in seinen bequemen Fernsehsessel. Ja das kann ich mir gut vorstellen. Die Resi, seine Mutter hat mich eh vorgewarnt, das er neugierig ist und süchtig nach Geschichten ist.

Trank aus seiner Tasse und seine blauen Augen blitzen Tante Hedi über die Tasse hinweg freudig an. Dann sah er mich an, was hältst du davon wenn wir Morgen zur Forellen Farm von Ralph Steinschloss drüben in Notre-Dame du Nord. Das ist eine klasse Idee Otto. Schwärmte meine Tante von dem Vorschlag. Ja dann kann er gleich bei der nächsten hübschen Dame sich anlehnen. Der Herzensbrecher. Dabei zwinkerte mir mein Onkel lächelnd zu. Bei wem? Wollte ich wissen. Der Ralph hat ja eine sehr hübsche Tochter, ich glaube die ist sogar in deinem Alter. Emily. Meine Tante stand auf und machte sich daran das Abendessen zu kochen. Mein Onkel erzählte mir von seinem Bastler-Shop oben in Kirkland Lake. Das es viele Anfragen gab zu den neuesten Sachen von der Spielzeug Messe die vor 3 Wochen in Toronto statt gefundenen hatte. Es machte ihm sichtlich Spaß. Farben, Kleber, Kleinbausätze zu verkaufen. War schon gespannt auf sein Geschäft. Der Abend verlief gemütlich. Doch mir steckte trotz allem noch immer die Zeitumstellung in den Knochen und so verabschiedete ich mich gegen 9 Uhr abends in Richtung Bett. Ja ich bin auch Hundemüde heute, sagte mein Onkel.

So klang dieser durchwegs von Erzählungen und Erlebnissen aufregende Tag sanft aus und ich schlief über den Gedanken an diese hübsche Emily schnell ein. Am nächsten Morgen weckte mich mein Onkel so gegen 8 Uhr auf. Wir frühstückten und verabschiedeten uns von Tante Hedi. Aufgeregt bestieg ich wieder den Pontiac und wir machten uns auf die kaum 30 Meilen lange Strecke, so wie ich meinen Onkel mittlerweile einschätzte würde die Fahrt sicher nicht länger als eine halbe Stunde dauern.

Die Forellen Farm ist etwas außerhalb von Notre-Dame am Casey River. Ein echt lauschiges Plätzchen hat sich da der Ralph ausgesucht. Erzähle mein Onkel, während er den Pontiac ausparkte und auf den Highway steuerte Richtung Notre-Dame. Ende der 60 er Jahre, begann mein Onkel zu erzählen, suchte Ralph Steinschloss eine neue Herausforderung. Als er damals nach dem Krieg aus Deutschland rüber kam hier her nach Kanada suchte er einen Job in der Bergbauindustrie und fand diesen in der Copperfields Mine unten in Temagami. Wo er sich schnell hocharbeitete. Vom Schichtsteiger bis hoch zum Obersteiger. Damit konnte er genügend Geld zurücklegen und gemeinsam mit seiner Frau träumten sie damals schon von einer Forellen Farm. Dann wurde Emily geboren. Mein Onkel sah mich an, lächelt verschmitzt und dann wieder raus auf die Straße. Ja die Emily.

Wie gesagt Ende der 60 er Jahre, ganz genau in dem Sommer wo die ersten Menschen am Mond landeten, kauften sie hier oben in Notre-Dame dieses 200 Hektar große Land. Eine der Triebfedern den Bergbau Job an den Nagel zu hängen war sicher auch die Geburt von Emily, sie wollten ihrer Tochter ein gesundes, autarkes Leben bieten. Mehr als diesen Staub aus den Minen, welchen Ralph täglich nach Hause brachte. Sie wollten aber auch einen Ort schaffen wo Menschen fischen konnten, wo Bären mal vorbei schauten, wo das natürliche Essen ganz was besonders werden sollte. Eben Emilys-Fischfarm. Dabei lachte jetzt mein Onkel laut auf, und sah mich an. Ja.Ja hübsches Mädchen die Emily sogar die Farm wurde nach ihr benannt.

Die Landschaft war auch hier weit und flach. Der Fluss glänzte wie ein Geschenkband um ein Weihnachtsgeschenk in der Landschaft. Trotz irrer Hitze war alles Grün. Anders als zu Hause. Der Sommer hier in Kanada ist sehr kurz dafür um so heißer. Erzählte mir mein Onkel auf die Frage hin wie denn das Wetter hier so üblicherweise war. Das wirklich lästige sind die Deerflys. Die beißen dich und saugen dein Blut. Das schmerzt am Anfang mal ordentlich. Dann kannst auch schon mal richtige Schwellungen bekommen. Das nervt so wirklich jeden hier. Mein Onkel sah mich an.

Hm, ich kenne nur unsere Milliarden von Mücken rund um den See. Wenn du da im Sommer unterwegs bist, können sich schon mal 50 oder mehr Biester auf deine Hand setzen. Das ist auch lästig. Fliegen die beißen kenne ich nicht. Noch nicht. Noch nicht. Deutete mein Onkel an. Das ändert sich gleich heute mal, auf der Farm finden die uns bestimmt. Die Forellen fressen ja die Biester. Wir bogen in einen langen Schotter Weg ein, rechts ab vom Highway. Ja gleich sind wir da. Versprach mein Onkel.

Er hatte recht hinter der nächsten Kurve wurde schon das Farm Gebäude sichtbar. Ein langgestreckter Bau, vielen Fenster dreistöckig. Ein echt prachtvolles Anwesen zeichnete sich da in die Umgebung. Auch hier umrahmte das ganze Anwesen ein Wald. Ahorn, Birken.

Durch einen Torbogen ging es in den Innenhof der Farm. Mein Onkel parkte den Wagen auf den Kundenparkplatz rechts neben dem Torbogen ein. Als wir ausstiegen kam uns Ralph wie ich vermutete schon entgegen. Hallo Otto das ist aber eine Freude dich mal wieder zu sehen hier bei uns. Die beiden begrüßten sich wie sich alte beste Freunde begrüßen. Offen ehrlich.

Dann kamen die beiden um den Wagen rum und Otto stellte mich seinem Freund vor. Das ist Roland aus Oldeurope, er ist der Sohn meiner Schwester. Hallo Roland, freue mich dich kennen zu lernen. Er hielt mir seine Hand entgegen. Groß war er wie mein Onkel. Schultern wie ein Bodybuilder. Entsprechend auch sein Händedruck. Freue mich auch Sie kennen zu lernen, Herr Steinschloss. Kommt ich zeig euch gleich mal das Babybecken. Schnell und voll Freunde schritt Ralph vor uns in Richtung der Wasserbecken. Dort erklärte er uns den Ablauf der Zucht. Erst ging es mit den kleinen Forellen gerade noch wenn sie aus den Eiern geschlüpft sind in riesige Wasserbecken. Die Becken waren so angelegt das durch sie vom ersten bis zum letzten der Casey-River umgeleitet wurde. Natürliche Zucht war das oberste Gebot hier auf Emilys-Fischfarm. Die Babybecken nannte der Fachmann auch Setzlings Anlagen und dann später ging es weiter in die Mast Anlage.

Da hinten sind mehrere Quellen, dieses Wasser speist vor allem die Setzlings Anlage. Dabei zeigte Ralph weit über die Anlage hinweg. Es mochten gut und gerne 70 oder gar mehr Teiche sein dich ich mal grob schätzte die Zahl. In unseren Bruthäusern werden jährlich ca 5 Millionen Eier zur Erbrütung im frischen Quellwasser aufgelegt. Dabei bestimmen jedoch unsere hohen Qualitätsansprüche über die Zuchtauslese die über eine Zeit von 2 – 3 Jahren dafür sorgt das unsere Babys – wie Vater sie gerne nennt zu springlebendigen Forellen heran wachsen. Ohne das wir es bemerkt hatten, vertieft in den Vortrag von Ralph, kam Emily von rückwärts auf uns zu.

Ja das ist die Chefin über die Babystation. So stellte Ralph und Emily vor. Verdammt. Die war wirklich eine Schönheit. Groß, mit langen blonden Haaren blauen Augen. Sie trug Gummistiefel bis weit über ihre Knie hinauf. Ich hoffte nur nicht zu blöde dabei auszusehen als ich sie so anschauten. Ihre Hand lag dann plötzlich in der meinen. Und. Ein seltsam gemeinsames Gefühl entstand in mir. He, lass mir was übrig, spöttelte mein Onkel und stieß mich mit dem Ellenbogen an. Die Fische bedürfen einer 2 maligen täglichen Fütterung. Ich bin eben auf den Weg zu den Erwachsenen Becken. Wollt ihr zusehen beim füttern? Fragte mich, uns Emily.

Klar wollen wir und wie wir das wollen. Darum sind wir ja gekommen um genau hinzuschauen oder was meinst du, Roland. Und wie! War meine Antwort, mit einem Lächeln an meinen Onkel zurück geschickt. Wir füttern unsere Forellen mit fisch mehlhaltigem Futter, von hoher Qualität. Das Ergebnis ein wohlschmeckendes festes Fleisch. Wie ihr da drüben seht, Emily zeigte in Richtung des Casey-Rivers ermöglichen unsere Stauwehre das wir den Fluss aufstauen so dass ein Gefälle vom Vorfluter zu den Abflüssen dafür sorgt, dass jeder Teich bespannt und einzeln abgelassen werden kann. Dadurch ist es uns auch möglich insgesamt 78 Teiche zu betreiben.

Emily drehte sich während des Marsches zu den Erwachsenen Becken immer mal um zu uns, lächelte mich freundlich an und erzählte über die Forellen Farm wie eine geschulte Fremdenführerin auf den Straßen von Paris. Notre-Dame – Paris. Wie passend der Gedanke.

Nach einer Führung durch die gesamte Anlage landeten wir auf der Terrasse vor dem Farm Gebäude. Dort erwartete uns Frau Steinschloss schon mit einem üppigen Menü. Es gab Forellensuppe, Forelle gebraten mit brauner Butter und Petersilie, Speckforelle. Dazu gab es Wein. Mit einem dicken Grinsen im Gesicht half mir nach kurzem Staunen über mein Ungeschick beim auslösen der Gräten, Emily und berührte dabei nicht einmal zufällig meine rechte Hand. So geht’s besser. Schloss sie ihren Hilfszug mir gegenüber ab.

Wir lachten alle darüber, es entstand eine solche fröhliche freundliche Runde. Dazugehören war plötzlich keine ungelöste Aufgabe mehr, es war spürbar. Der Nachmittag verging im Flug, zwischen Gesprächen über Bergbau, Farmlegenden meines Onkels und gemeinsamer Erinnerungen der beiden Freunde an Tage des Gold suchen und meiner verstohlenen Blicke auf Emily. He Ralph ich habe ein klasse Idee. In drei Wochen hat meine Hedi Geburtstag, den könnten wir ja hier bei euch feiern, da machen wir eine richtig große Party mal und ich lad die alten Kumpel ein mit ihren Frauen und Kinder da kommen wir auf gut und gerne 50 Leute. Was hältst du davon? Gebar mein Onkel seine Geburtstagsüberraschung für Tante Hedi.

Das ist eine Superidee. Nenne wir es Perseiden Konzert. Dann kann uns Hedi ja von ihren Zauber Figuren erzählen und wir zählen die Meteoren. Bei jedem gibt’s dann einen Kuss für die Liebste. Ralph du bis aber wieder voll romantisch unterwegs. Meldete sich Frau Steinschloss, die nicht nur hervorragend kochen konnte sondern in der Schönheit ihrer Tochter um nichts nach stand. Aber Carmen, das ist es ja weshalb du mich geheiratet hast. Weil ich selbst in meiner dreckigsten Steiger Kluft immer einen Kuss und ein Gedicht für dich hatte.

Oh ja, das hattest du. Sie lächelte ihn voll Liebe an. Dann sah sie zu Emily und küsste sie während einer Umarmung auf die Wange. Es ist schön dich bei uns zu haben mein Engel. Waren dabei ihre Worte.

Dazugehören zusammengehören sich gehören, hier in Kanada spürte ich dieses Gefühl das ohne das ich mich dafür schuldig fühlte.

Einzelheiten besprechen wir dann später ich ruf dich die Tage mal an Ralph. Leider müssen wir jetzt aufbrechen. Danke nochmals für diesen wunderschönen Tag. Mein Onkel stand auf und ich folgte seinem Beispiel.

Ja auch ich möchte mich herzlich bedanken für die Gastfreundschaft. Selten in meinem Leben habe ich mich so willkommen, so angenommen gefühlt.

Jederzeit gerne wieder und das mit dem Auslösen der Forellen kann ich dir gerne beibringen. Scherzte Emily in meine Richtung und bot mir zum Abschied die Hand an. Ich ergriff sie gerne und hatte wieder dieses wunderbare Gefühl in mir, das einem leichten prickeln auf der Haut ähnlich war. Ein Bild entstand in meinem Inneren. Der alte Indianer da am Seeufer der das Datum in den Sand gemalt hat. Dabei hatte ich plötzlich das Gefühl als würde mir Emily über die Schulter gucken. War es das was meine Mutter meinte mit sich keinen Augenblick mehr ohne diese Hand vorstellen zu können.

Als wir wieder zurück im Pontiac waren. Versank ich förmlich im Leder des Beifahrersitzes. Beide winkten wir der Familie Steinschloss ausgiebig zu und fuhren gemächlich vom Hof. Draußen auf dem Schotter Weg ließ mein Onkel die Reifen einiges an der Energie des PS-starken Motors spüren. Auf dem Highway angekommen, reihten wir uns in den Verkehr ein.

Tolle Familie diese Steinschloss. Bemerkte ich um das Schweigen zu brechen.

Ja das sind sie. Freundliche Menschen die wissen was sie wollen und die sich für sich entschieden haben. Gemeinsam ihre Wege zu gehen und zu erkunden. Ich bin gerne bei Ralph am Hof. Damals nach meinem Herzinfarkt, war ich viel und lange bei ihm. Seine Ruhe und seine Sicherheit führten mich langsam zurück auf den Weg, auf meinen Weg. Er reichte mir sinnbildlich oft die Hand. Doch niemals hätte er mir auch nur einen Stein aus dem Weg geräumt. Wirkliche Freunde erkennst du immer daran das sie zu dir stehen, hinter dir stehen, für dich da sind und sich darüber freuen das du an deinen eigenen Herausforderungen wächst. Niemals würde ein wirklicher richtiger Freund zu dir sagen – komm ich mach es für dich. Das sind die Menschen welche dich immer klein halten wollen und werden. Emily hat mir die Forelle ausgelöst. Gab ich zu bedenken. Mein Onkel lächelte vor sich hin. Ah Emily, die spuckt dir also im Kopf rum. Ja, es war seltsam, als sie mir beim Abschied die Hand gab hatte ich ein Bild in mir, ein Erlebnis das ich hatte als ich 6 Jahre alt war, bei uns am See. In diesem Bild hatte ich das Gefühl als würde Emily über meine Schulter gucken hin zu der Jahreszahl die der alte Indianer in den Sand gezeichnet hat.

Das doch ein schönes Gefühl oder? Fragte mich mein Onkel.

Ja das Gefühl ist sehr schön sogar. Doch auch genau so verwirrend. Kanada. Es ist schon sehr seltsam, das ich hier bei Dir so viele Momente empfinde die ich nur mit dazugehören umschreiben kann. Sollte ich die nicht eher zu Hause bei meiner Mutter meinem Vater meiner Schwester haben? Kannst du dich auf die Geschichte erinnern die ich dir erzählt habe als du nach dem Sinn des Lebens gefragt hast? Ja, du hast es mit einem Schachspiel verglichen das Leben. Was denkst du wie wichtig es in diesem Spiel des Leben es wohl ist mit wem du spielst? Ist es am Ende nicht das wichtigste das du es spielst? Ich sah rüber zu meinem Onkel. Das beantwortete so viele Fragen in einem einzigen Augenblick.

Der Sinn von Allem ist es es zu tun. Mit wem, wo, wann, wie ergibt sich und ist am Ende ohne Belang. Fühlte mich noch nie so lebendig wie in diesem Moment. Hier in Kanada, neben meinem Lebensheld. Auf der Fahrt nach Norden hin zu meinem kanadischen Heim.

Danke Onkel das du mich eingeladen hast. Ich sah meinen Onkel an. Spürte sein Lächeln auf meinem Gesicht wie einen freundlichen Kuss.

Dabei kennst du ja noch nicht mal die Marika!

Wen? Fragte ich sofort wieder verwirrt und so als würde ich eben dahinter gekommen sein das der Läufer meiner Spielfiguren nur auf einer Farbe des Spielfelds ziehen dürfen.

Marika ist das Mädchen das bei mir im Shop arbeitet. Ha ha ha.

Mein Onkel war der Hammer.

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