Familiengewitter – wo Angst ansteckend war

Ich hatte nur einmal Angst vor einem Gewitter. Es zog auf an einem heißen schwülen Julitag. Plötzlich wie immer in unserer Gegend krachte es, der Himmel verdunkelte sich, auch das Zimmer. Ich war gerade dabei mein neues Donald Duck Heft zu lesen. Blitze so dick vom Himmel wie Regenbogen. Donner die die Gläser in Mutters Anrichte zum klingen brachten. Wieder und wieder und dann schlug ein Blitz im 200 Meter entfernten Hochspannungs-masten ein.

Vielleicht 20 Meter von unserem Haus entfernt stand ein Leitungsmasten. Hin zum Bahnhof und zur Ziegelei. Bei Beiden ging in diesem Moment das Licht aus. Ich konnte es gut von meinem Fester aus sehen. Meine Mutter lief aufgeregt durch das Haus, warf die wohl in ihren Augen wichtigsten Sachen in Koffer.

Dabei rief sie aufgeregt, Kinder wir müssen flüchten am Ende brennt das Haus. Dabei machte mein Vater was er bei den irren Gewitter immer machte, er ging raus in den Hof und wollte nachsehen ob alles vertäut ist, oder ob es schon irgendwelche Blitzschäden gab. Das brachte meine Mutter noch mehr den Wahnsinn nahe, Tür zu und komm rein, rief sie ihm hinter her. Eiskalt wie mein Vater immer in Stress Momenten war, ich wünschte das ich diese Eigenschaft von ihm geerbt hätte, gab er zurück, das Gewitter zieht eh schon weiter.

Genau in diesem Moment nochmals ein gewaltiger Blitz und ein noch gewaltiger Donnerschlag. Ja zieht weiter dachte ich mir. Setzte mich mitten im Haus auf den Boden, ich dachte mir mitten im Haus ist es bestimmt am sichersten. So ging es noch einige Zeit weiter. Blitze und nochmals Blitze, gewaltiger Lärm, wenn es danach donnerte. Die Gläser in der Anrichte schlugen zusammen von den Schallwellen des Donnerschlags getrieben. Ich sah auf meine Oberschenkel, diese zitterten. Ich fühlte Angst. Wirkliche Angst, nicht Angst die ich mir selbst mache oder einrede, empfand ich, später nur ganz selten wieder. So wie an diesem Sommernachmittag. Dabei dachte ich, am Ende bin ich mit den Menschen zusammen die ich liebe. Mutter, Vater, meine Schwester.

Meine Schwester übrigens saß auf der Wohnzimmer-Couch und las in irgend einem Buch. Sie las immer in irgend welchen Büchern, wenn sie nicht der Mutter im Haushalt half oder Schulaufgaben erledigte., von ihrem Traummann schwärmte. Meine Schwester bewunderte ich immer für ihre klare Linie und ihre Unerschrockenheit. Nein selbstverständlich habe ich ihr das niemals gesagt. Niemals nicht.

Endlich ließen die Blitze und die wahnsinnig lauten Donnerschläge nach. Durch das Küchenfenster konnte ich rüber sehen, raus in den Garten und weiter hin bis zu den Bahnschranken, der oben war. Im Gewitter-wind wild schwankte. Genau wie die Bäume, sich bogen.

Dann der erste Sonnenstrahl. Genauso schnell wie das Unwetter da war, war es auch wieder weiter gezogen. Typisch für unsere Gegend. Mutter erzählte oft das in dem Ort wo sie aufgewachsen ist die Gewitter stundenlang in der Talsohle tobten. Es war eben ein richtiger Bergkessel. Da mal rein gehüpft, wollten es sich die Gewitterwolken nicht verleiden lassen und blieben länger. So erzählte mir Mutter oft über die unmöglichsten Dinge. Kein Wunder das ich in allem irgendwie was lustiges sah. Das mir oftmals auch der Ernst der Sache verborgen blieb. Wobei Humor ja immer heilt. Doch sollte es einem vielleicht klar sein, das es sich gerade um Humor handelt und nicht um eine ernste Angelegenheit humorvoll ausgedrückt.

Das Gewitter war vorüber. Meine Mutter packte wieder aus. Meine Schwester drehte den Fernseher auf, ich saß noch immer am Boden. Es fühlte sich an als hätte ich jetzt die Chance auf ein zweites Leben. Mein Vater war schon mit Schaufel und Schubkarre unterwegs im Garten um die abgebrochenen Äste aufzusammeln. Mein Vater tat oft auch nur so eiskalt weil er am Ende Angst vor seinen Gefühlen hatte. Diese sperrt er tief in sein Herzen. Der wahre Grund dafür blieb mir immer verborgen.

Dann kam meine Mutter von hinten, zog mich hoch in ihre Arme, küsste mich auf die Wange. Es ist vorbei flüsterte sie mir zu. Das zittern in mir ließ nicht gleich nach, es spürte sich gut an in den Händen meiner Mutter meine Angst nach zu empfinden. Besser als vorhin alleine.

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